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Introvertiert oder extravertiert? Warum ein Wort nicht reicht

Zwei Introvertierte können völlig verschiedene Menschen sein. Der eine braucht Alleinsein, der andere nur Tiefe. Das Enneagramm zeigt, was jeder von ihnen wirklich braucht.

„Ich bin introvertiert“, sagt heute fast jeder Zweite. Nur: Zwei Introvertierte können völlig verschiedene Menschen sein. Der eine muss sich nach einer Party mit einem Buch zurückziehen, der andere würde durchaus auf eine Party gehen, nur nicht unter Fremde. Das Enneagramm zeigt, warum ein Wort nicht reicht und was jeder von ihnen wirklich braucht.

Was Introversion und Extraversion eigentlich bedeuten

Introversion heißt nicht Schüchternheit, und Extraversion heißt nicht Lautstärke. Der Unterschied liegt vor allem darin, woher du deine Energie nimmst. Introvertierte laden sie allein oder im kleinen Kreis auf, Extravertierte unter Menschen und in Aktion. Beides ist in Ordnung, und die meisten Menschen liegen irgendwo dazwischen.

Das Problem ist, dass diese Einteilung nur das Verhalten nach außen beschreibt. Sie sagt nicht, warum sich jemand zurückzieht oder warum er Menschen sucht. Und genau hier hilft das Enneagramm.

Drei Arten, mit Menschen und dem Leben umzugehen

Im Enneagramm lassen sich die Strategien in drei Gruppen einteilen, je nachdem, wie jemand das verfolgt, was er braucht:

  • Sie ziehen sich zurück (4, 5, 9): Wenn es zu viel wird, gehen sie in ihre eigene Welt. Nach außen wirken sie wie typische Introvertierte.
  • Sie gehen nach vorn (3, 7, 8): Sie holen sich, was sie brauchen, durch Handeln und gehen auf Menschen und Gelegenheiten zu. Nach außen wirken sie wie Extravertierte.
  • Sie richten sich nach dem, was richtig und erwartet ist (1, 2, 6): Ihnen sind Regeln, Pflichten und Beziehungen wichtig. Je nach Situation wirken sie mal introvertiert, mal extravertiert.

Schon daran siehst du: „Introvertiert“ kann drei verschiedene Dinge bedeuten.

Drei Arten von Introvertierten

Der Experte (5) zieht sich zurück, weil er seine Energie spart und Raum zum Nachdenken braucht. Menschen stören ihn nicht, aber nach einer Weile erschöpfen sie ihn. Ihm hilft es, wenn vorher klar ist, wie lange etwas dauert und wann er wieder seine Ruhe hat. Profil des Experten

Der Individualist (4) zieht sich zurück, um mit sich und seinen Gefühlen allein zu sein. Er meidet nicht Menschen an sich, er meidet Oberflächlichkeit. Mit einem nahestehenden Menschen kann er die ganze Nacht reden, aber Small Talk ermüdet ihn in fünf Minuten. Profil des Individualisten

Der Mediator (9) zieht sich zurück, um seine Ruhe zu haben und keine Spannungen aushalten zu müssen. Unter Menschen fühlt er sich oft wohl und kann ein angenehmer Gesellschafter sein. Introvertiert ist er eher darin, dass er seine Meinungen und Wünsche für sich behält und sich lieber anpasst. Profil des Mediators

Jeder von ihnen braucht also etwas anderes: der Experte Zeit und Grenzen, der Individualist Tiefe, der Mediator Ruhe und eine Einladung, zu sagen, was er will.

Auch Extravertierte sind nicht alle gleich

Der Optimist (7) sucht Erlebnisse und neue Möglichkeiten, Menschen sind für ihn eine Quelle von Spaß und Energie. Der Leader (8) geht auf Menschen zu, weil er Einfluss haben und Dinge in Bewegung bringen will. Der Stratege (3) ist vor allem dort gesellig, wo es zum Ziel führt, und kann sich auf sein Publikum einstellen.

Wer sie alle nur als „Extravertierte“ bezeichnet, verpasst das Wesentliche. Den Optimisten lädt nach einem anstrengenden Tag eine Party auf, den Leader eher ein Gespräch, in dem etwas entschieden wird, und den Strategen gut gemachte Arbeit.

Und die dazwischen?

Ethiker (1), Altruist (2) und Traditionalist (6) wissen oft selbst nicht, wo sie sich einordnen sollen. Der Altruist ist in der Gruppe meist warmherzig und präsent, braucht aber auch Zeit für sich, um nicht auszubrennen. Der Ethiker kann vor Menschen auftreten, wenn es seine Pflicht ist, kehrt danach aber gern zu seiner Arbeit zurück. Der Traditionalist ist unter Bekannten entspannt und unter Fremden vorsichtig. Klassische Introversionstests geben ihnen ein „irgendwo dazwischen“, das nichts erklärt.

Was das für dich bedeutet

  • Frag nicht nur, wie viele Menschen du aushältst. Frag dich, warum dich Menschen ermüden oder aufladen. Die Antwort sagt dir mehr darüber, was du brauchst.
  • Introvertiert heißt nicht „lasst mich in Ruhe“. Der Mediator will oft, dass du ihn einbeziehst. Der Individualist will ein echtes Gespräch, nicht Alleinsein.
  • Extravertiert heißt nicht „hält alles aus“. Auch Optimist oder Leader brauchen eine Pause, sie merken es nur später.

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